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Der letzte Tag

Unseren letzten Tag im Camp haben wir damit verbracht noch einige Stunden zu arbeiten, uns offiziell zu verabschieden und ein letztes Mal im Camp gut zu Essen. Außerdem haben wir einen großen Teil der Spendengelder an Mido übergeben. Sie leitet das Bauteam und die Werkstatt, sowohl für das Camp in Calais als auch für „unser“ Camp in Dunkirk. Um für und mit den Geflüchteten zu bauen und damit zu einer spürbaren Verbesserung des Alltags der Menschen beizutragen, brauchen sie und ihr Team Geld für Material und Werkzeuge. In den letzten zwei Wochen, in denen wir und viele andere nette Menschen mit ihr arbeiten durften, entstanden sehr viele Shelter Erweiterungen, Holzverschläge als „Läden“ für den Frisör und den Sandwwich-Mann, ein Ausbau der kurdischen Küche und eine Menge Türen und Regale. Ähnliches setzen sie auch in dem Camp in Calais um. Wir freuen uns, diese wunderbare Arbeit mit bislang insgesamt 2500 Euro unterstützen zu können.
Nun sind wir nach nächtlicher Fahrt wieder gut in Göttingen angekommen und werden uns die nächsten Tage an die Nachbereitung der Tour machen und ein Resümee ziehen. Bei Fragen meldet euch gerne bei mir unter: wiebke.meiwald@yahoo.de

Unser Ostersonntag

Gestern war Ostern. Da der allergrößte Teil der Campbewohner*innen muslimischen Glaubens ist, änderte der Fakt das Oster ist nicht viel an unserem Tagesablauf. Wir haben gebaut, undichte Stellen in den Hütten versucht mit Silikon und Bauschaum abzudichten, damit es nicht mehr regnet, ein großes Zelt abgebaut, Müll gesammelt… Das einzig besondere am Wochenende über die Osterfeiertage war, dass eine große Menge an Kurzzeitfreiwilligen hier im Camp waren. Weil das Camp in der jetzigen Form noch nicht besonders lange existiert, ist die Koordination und Einweisung der Freiwilligen, die nur für ein oder zwei Tage bleiben, zwar noch etwas kompliziert, es konnten aber einige sinnvolle Aufgaben gefunden, wie zum Beispiel das Müllsammeln im Camp und ähnliche Dinge, die zwar wichtig sind, aber oft zu kurz kommen, weil oft stattdessen dringenderes erledigt wird.

Bestanden!

Wir haben bestanden!
Am Freitagvormittag stand sie an, die elende Inspektion durch die französischen Behörden bezüglich Brandschutz, Sicherheit und Hygiene. Nach vielen Vorbereitungen, von denen viele ganz offensichtlich nur eine Farce waren, können wir nun verkünden bestanden zu haben!
Damit ist dies das erste private offiziell anerkannte Refugee Camp Frankreichs!
Da waren wir schon alle recht stolz und vor allem erleichtert, da niemand wusste was geschehen würde, wenn das Ergebnis anders ausgefallen wäre.
Trotz dessen ging es am Samstagmorgen wieder motiviert an die Arbeit um die Bedingungen der Geflüchteten weiter zu verbessern. Für uns hieß das vor allem, dass weitere Vorbauten für die Shelter entstehen, um den Familien mehr Platz zum Leben und zum Lagern von Dingen zu schaffen.

An dieser Stelle ein ganz herzlicher Dank an den Abi-Jahrgang von Binta, der uns mit 1800 Euro bei unserer Arbeit unterstützt!
Damit können wir viele viele Schrauben und viel Holz kaufen, damit die „Bauerei“ weiter gehen kann. Und das wird sie, auch wenn unsere Zeit hier leider schon dem Ende zuneigt.
Dadurch, dass die Inspektion erfolgreich überstanden ist, waren auch wieder mehr Kapazitäten für andere Aktivitäten frei. So zum Beispiel für den Ausbau der Schule, die bald eröffnen soll, oder das aufräumen, sortieren, leer- und einräumen von Aufenthaltsräumen und Containern, sowie das reparieren und anbringen von Türen. Außerdem soll die Camp-eigene Waschküche bald eröffnet werden.
Hier tut sich also einiges!

Fotos

Gerne würde ich, würden wir hier Fotos mit euch teilen. Von 4 jährigen Mädchen, die stolz wie Oskar sind, wenn sie auch mal hämmern dürfen. Fotos, von Rabauken und Rabaukinnen, die versuchen in den Van zu klettern, obwohl sie genau wissen, dass ihnen das nicht erlaubt ist; von Großmüttern, die zu kurdischen Tänzen abgehen; von jungen Männern, die einem mal verzweifelt, mal flirtend entgegen kommen; von Müttern und Vätern, die versuchen ihren Kindern das Leben so angenehm wie möglich zu machen… und von all den Gesichtern, die uns Tag für Tag vertrauter werden. Diese Bilder hätten nicht den Zweck Mitleid zu erregen oder durch die Niedlichkeit der großen Kulleraugen zu bestechen; sondern deutlich zu machen, dass hinter den ganzen Zahlen (wieviele Menschen leben im Camp, wieviele schaffen es rüber nach England, wieviele Kinder gibt es, …) Menschen stehen.
Menschen, deren Geschichten ihre Gesichter gezeichnet hat.
Aufgrund der europäischen Asylgesetzgebung ist es jedoch so, dass es den Menschen sehr schaden kann, wenn es Bilder gibt, die beweisen, dass sie sich bereits eine Weile in Frankreich (oder einem anderen EU-Mitgliedsland) aufgehalten haben. Um dies zu vermeiden verzichten wir und die meisten anderen Freiwilligen darauf, Personen erkennbar zu fotografieren und unsere Fotos könnten den Eindruck vermitteln, dass Camp wäre bis auf uns Freiwillige ausgestorben.

Eindrücke


(Viel Symbolpolitik für die Authorities)

unruhige Nacht und Investigationsprüfungsvorbereitung

Der Tag heute fing mit einem Schrecken an, da es in der Nacht im Camp etwas unruhig zugegangen ist und es mehrere Schlägereien und einen Polizeieinsatz gegeben hatte. Daraufhin mussten sich alle ankommenden Leute ausweisen. Es ging aber eher um die Freiwilligen, als um die Geflüchteten selbst, da diese meist auch ohne das Vorweisen von Ausweisen durch die Kontrollen kamen. Dass es sich hierbei in erster Linie um Schikane handelte, lässt sich daran erkennen, dass die vor dem Haupttor stehende Polizei sich in der Nacht eine Stunde lang weigerte, das Gelände zu betreten um beim Schlichten der Handgreiflichkeiten zu helfen, aber heute Nachmittag kein Problem damit hatte, schwer bewaffnet durch das Camp zu marschieren und einzelne Shelter zu kontrollieren. Auch vor den Toren und auf den Straßen der Umgebung zeigten sie im Laufe des Tages eine hohe Präsenz. Nach ausgiebigen Begutachtungen unserer Pässe und mal wieder einer kurzen Schicht am Kreisel ging unser Tag weiter mit der Verteilung von Kisten mit Lebensmitteln, die von einer Kirchengemeinde aus den USA finanziert wurde.
Da am Freitag außerdem die bereits erwähnte staatliche Bundesschutz-Inspektion stattfindet, waren heute eine Menge Freiwillige damit beschäftigt, Feuermelder zusammen zu bauen und in den Hütten anzubringen. Dies war aber nicht allzu sinnvoll, weil die Feuermelder schon anspringen, wenn man nur neben ihnen ausatmet und die Batterien ohnehin vermutlich schon bald wieder ausgebaut sein werden.
Die Freiwilligen hätten in dieser Zeit also stattdessen auch sinnvollere und dringendere Aufgaben erledigen können aber da es sich um staatliche Auflagen handelt blieb uns nichts anderes übrig.
Da der Großteil unserer Gruppe im Laufe der letzten Tage nach und nach abgereist ist, sind nur noch Wiebke und Jojo vor Ort, die sich noch auf ein paar produktive und unkomplizierte Tage freuen.


So waren wir unterwegs um die gepackten Kisten mit trockenen Lebensmitteln zum kochen an jedem Shelter zu verteilen.


Die Bewohner*innen sind auch stetig dabei kreativ ihre Wohnbedingungen zu verbessern. Hier ein Esstisch